Vier Boeings, eine FW 190 im Großraum Kappeln


Sönke Meeders Erinnerungen an die Kriegszeit in Kappeln, bei der Stadt Kappeln archiviert, beinhalten die Abstürze dreier viermotoriger amerikanischer Bomber in Kappeln und Umgebung.
Er berichtet:
Mit Fortdauer des Krieges nahmen auch die Aktivitäten in der Luft immer mehr zu. Wenn auch zunächst nur einzelne Maschinen und Verbände einflogen und von Abfangjägern und Flak attackiert wurden. Eigener Jagdschutz war in der Anfangsphase des Krieges wegen zu großer Entfernung zwischen Heimatflughäfen in Großbritanien und Zielen in Deutschland bei der Royal Air Force nicht vorhanden. Dies änderte sich mit dem Eintritt der USA in den Krieg grundlegend. Die materielle Überlegenheit des Gegners war für Jeden deutlich erkennbar und die Abwehrkräfte waren bald vor unlösbare Probleme gestellt.
Aus dem unmittelbaren Umfeld sind mir folgende Ereignisse bekannt:
(Sönke Meeder schildert einen Bombennotabwurf auf Kappeln. Re.)
Er fährt fort; am 9. Oktober 1943 überflogen starke Feindverbände unser Gebiet zu einem Angriff auf eine Stadt in Norddeutschland. Eine einzelne Maschine, ein viermotoriger Bomber, war auf Gegenkurs und hatte offensichtlich Schwierigkeiten. Die Flughöhe war bereits ungewöhnlich niedrig, und ein Teil der Besatzung sprang mit dem Fallschirm ab. Einer landete auf dem ehemaligen Müllberg hinter dem Nestle-Werk und wurde dort bereits von zahlreichen Kappelnern erwartet und bestaunt. Die Maschine ist in der Nähe von Dollrottfeld zu Bruch gegangen und teilweise ausgebrannt. Auch der Anbau eines Wohnhauses wurde beschädigt. Im Rumpf der Maschine lagen einige gefallenen Flieger. Der Heckschütze hatte seine Hände um die Abzugsbügel des Doppel-MG's gekrallt. In den Nachmittags -stunden besichtigte der Flugzeugführer des deutschen Jägers, der die Maschine abgeschossen hatte, die Absturzstelle. Später lagen die Trümmer dieses Bombers noch einige Zeit an der Straße in Dollrottfeld, ehe sie schließlich abgeholt wurden.
(An diesen Absturz erinnern sich noch Zeitzeugen, die besonders die Situation des Heckschützen bestätigten; ein Bild das sich wohl besonders einprägt. Re.)
Sehr gut kann ich mich auch an den Absturz von zwei viermotorigen Bombern erinnern. Es war ein strahlender Tag, der zweite Oster- oder Pfingsttag 1944 ( Sicherlich handelte es sich um Ostermontag, den 10.4.1944. Re.) Es war Fliegeralarm ausgelöst worden und bereits kurze Zeit später dröhnten die Bomberpulks über uns hinweg. Da in Kappeln kaum kriegswichtige Ziele vorhanden waren, wurde der Alarm nicht besonders ernst genommen und lieber vom Dachboden aus die Flugzeuge gezählt, die sich gegen den klaren Himmel mit dem breiten Strom von Kondensstreifen gut abzeichneten. Zuerst wurde genau gezählt 40 - 80 - 200 - 300, dann wegen der Vielzahl an Bombern und Formationen und auch der Entfernung mehr geschätzt, es müssen zwischen 700 bis 1000 Bomber gewesen sein, eine unglaubliche Anzahl. An einigen Pulks hingen unsere Jäger dran, die zunächst den Abwehrring der Begleitjäger durchbrechen mussten und dann in ein gebündeltes Abwehrfeuer gerieten. Wie gesagt, ich habe diese ganzen Aktionen aus dem Dachfenster beobachtet - plötzlich ein eigenartiges Motorengeräusch. Aus südlicher Richtung und sehr tief kam ein viermotoriger Bomber auf unsere Stadt zu mit Kurs auf das PK -Getreidesilo, und hob die rechte Tragfläche, als wolle er den Turm nicht berühren und war dann schnell den Blicken entschwunden. Jetzt nichts wie los, aufs Rad und dann war auch die Absturzstelle schnell erreicht. Das Flugzeug lag zwischen der alten Wassermühle Grummark und dem Gleiskörper der ehemaligen Flensburger Kreisbahn, heute Nordstraße (B 199). Der Bomber brannte aus. Von Opfern bei der Besatzung ist mir nichts bekannt, vermutlich waren sie vorher abgesprungen.
Ein weiteres Flugzeug war an diesem Tage in unserem Raum abgeschossen worden und lag auf einem Acker in Stutebüll. Bei der Bodenberührung ist es noch durch mehrere Knicks geschlittert und war schwer beschädigt. Besatzungsmitglieder waren nicht mehr an Bord. Aus den defekten Tragflächentanks tropfte Flugbenzin. Die Landwirte der umliegenden Höfe waren schnell mit Milchkannen zur Stelle um den begehrten Treibstoff aufzufangen, bei intakten Leitungen wurde nochmals kräftig nachgeholfen. Dann erschien Militär und das Wrack wurde abgesperrt. Vorher hatten wir natürlich alles inspiziert. Im Mittelteil des Rumpfes lagen ganze Bündel von Staniolstreifen. Dieses Material wurde aus den Flugzeugen abgeworfen um der deutschen Abwehr die Peilung zu erschweren.
Soweit Sönke Meeders Bericht.
Eine vierte Bruchlandung in unserem Raum erfolgte ebenfalls am Ostermontag, den 10.4. 1944 in Kiesby, nahe Lindaunis. Ein viermotoriger Bomber setzte hier auf einem Knickkreuz auf. An diese Begebenheit erinnere auch ich mich. Wir liefen von meinem damaligen Wohnort Arnis aus zur Landestelle nach Kiesby. Auch hier lagen Unmengen Staniolpapier umher. Wir sammelten es auf um es beim Altwarenhändler abzugeben. Es war wohl kriegswichtiges Material. Weiterhin versuchten wir Spannverschraubungen zu ergattern mit denen der Flugzeugrumpf verspannt war. Sie ließen sich als Wantenspanner bei Segelbooten verwenden. Von dem Schicksal der Besatzung der Maschine wurde mir nichts bekannt.
Am gleichen Tag kam es zu einem Absturz eines eigenen Jagdflugzeuges bei dem Gehöft Silberstoff/Thomsen in der Gemarkung Faulück, am Weg nach Karschau. Diese Maschine soll sich senkrecht in den Boden gebohrt haben. Zeitzeugen sprechen von einem 5m tiefen Krater. Man will einen Sternmotor erkannt haben was wohl auf eine FW 190 schließen lässt. Es wird berichtet, dass der Jagdflieger die vorerwähnte B 17 bekämpft habe. Die Besatzung hat sich wohl gewehrt. Der Pilot konnte zwar aussteigen, sein Schirm öffnete sich nicht. Er prallte auf eine Koppel in der Gemarkung Faulück, in der Nähe der Siedlung Brodlos, von wo seine sterblichen Überreste geborgen wurden.

Gesammelt von Klaus Rethwisch
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