Gloster Meteor Bergung in Sülfeld

Ein Kurzbericht von Olaf Weddern

Nach über einjähriger Vorarbeit haben wir im Norderbeste-Tal in der Gemeinde Sülfeld, Kreis Segeberg, die Reste eines britischen Kampfflugzeuges mit seinem Piloten, Flight Lieutenant James Mason, geborgen.

gefundene Armbanduhr

In memoriam
Flight Lieutenant James Mason, 24 Jahre
Gestorben am 16. Juni 1947


Es war eine offizielle Grabung des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein (ALSH) unter der Leitung von Dr. Willi Kramer.

Die Initiative, Recherche und Organisation vor Ort oblagen dem ehrenamtlichen Archivar der Gemeinde Sülfeld, Ulrich Bärwald, unterstützt von Olaf Weddern (www.luftfahrtspuren.de). Die "Papierlage" zum Absturz, aus der einige Informationen auch hier Verwendung fanden, hat Chris König (CRASH 40-45) erarbeitet.

Weitere Beteiligte Organisationen und Personen: Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein; Royal Air Force; Britischer Luftwaffenattache´ in Deutschland, Oberst i.G. Moloney; Feuerwehren Sülfeld und Tönningstedt (Danke für die Logistik!); Gemeinde Sülfeld, Gewässerpflegeverband Norderbeste; EU-Bearbeitungsgebietsverband Mittlere Trave; Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Herr Erwin Kowalke; Untere Naturschutzbehörde Kreis Segeberg, Untere Wasserbehörde Kreis Segeberg, Polizeistation Itzstedt, Amtsverwaltung Itzstedt, Wegezweckverband Kreis Segeberg; Lohnunternehmer Kristian Draeger, Bau- und Industriemaschinen JCB; und bestimmt noch einige, die ich jetzt leider vergessen habe (schickt mir gerne eine Mail!). Weiter vor Ort auch die Webmaster bzw. Autoren von www.spurensuchesh.de; www.crash40-45.nl und www.forgottenplaces.de. Unterstützt wurden wir von Mitgliedern der behördlich ausgebildeten, legalen Detektorgruppe des ALSH.

Beteiligte Presse: NDR S.-H.-Magazin, NDR DAS!, Sat 1, RTL, Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Norderstedter Zeitung, Lübecker Nachrichten, Segeberger Zeitung, Kieler Nachrichten, BILD, Britische Nachrichtenagentur für mehrere GB-Zeitungen, z.B. Mail On Sunday.

Recherche:
Augenzeugenberichten nach war gegen Kriegsende bei Sülfeld ein Flugzeugabsturz zu beobachten. Die einen hatte eine Propellermaschine in Erinnerung, andere wussten von einem Düsenflugzeug, vermutlich eine Me 262. Ein weiterer Augenzeuge beschwor, dass sich das Ereignis bereits einige Jahre nach dem Krieg zugetragen hatte. Die Besatzung konnte seinerzeit nicht geborgen werden, das Wrack liege noch an der Absturzstelle im Boden.
Nach Abstimmung mit dem Archäologischen Landesamt in Schleswig beschlossen wir im April 2005 eine Begehung und Sondierung der möglichen Fläche. Bereits nach einigen Spatenstichen fanden wir erste Metallteile - der Bestempelung nach offensichtlich von einem britischen Flugzeug.

Ortsbesichtigung mit Augenzeugen im April 2005

Oberflächenfunde nach erster Sondierung

Unsere Archivlage hatte kein passenden Verlust der Engländer in dieser Region zu bieten, so dass sich Herr Bärwald entschloss, über Zeitungen und Internetanfragen mehr Licht in das Dunkel zu bekommen. Schon bald konzentrierten sich die Hinweise auf einen britischen Düsenjäger und die unmittelbare Nachkriegszeit. Alles deutete auf eine Gloster Meteor hin, zumal diese damals in Lübeck-Blankensee, also in geringer Entfernung stationiert waren.

Warum die Bergung?

Das Norderbestetal, in dem das Wrack lag, soll in den kommenden Jahren renaturiert werden. Gewässerabstürze werden entfernt, leichte Mäander sollen wieder hergestellt werden. Da eine intensive landwirtschaftliche Nutzung dieser gewässernahen Wiesen künftig entfällt wird hier über längere Zeitphasen wieder eine Vernässung erfolgen.
Im Hinblick auf das noch vorhandene Flugzeugwrack wäre es äußerst fatal, wenn nach Abschluss der geplante Gewässerumgestaltungsmaßnahmen Treib- und Schmierstoffe austreten würden und eine Gewässerverschmutzung die Folge wäre. Später könnte diese dann nur mit einem sehr großen Aufwand behoben werden.
Ferner war klar, dass die sterblichen Überreste wohl für immer verschwunden bleiben würden.

Sülfeld, Norderbestewiesen; Donnerstag, 23. März 2006, 07.40 Uhr. Ca. -5°C

Was war damals geschehen?

Die Meteor Mk. III (F), Werknummer EE411, gehörte zur 266 Squadron und startete gegen 10:00 Uhr vom Flugplatz Lübeck, um an einem gemeinsamen Manöver mit Heeresverbänden teilzunehmen. Unter der Führung des Flight Officers Bishop hoben drei Maschinen ab: zunächst als taktische Nummer 1 FO Bishop, gefolgt von seinem Rottenflieger und stellvertretendem Staffelkapitän Leutnant Walkington als taktische Nummer 3 an Steuerbord. An Backbord flog Mason als taktische Nummer 2. Nach dem Start flogen die drei Maschinen eine Platzrunde in 400 m und nahmen dann in nur 70 m ihre lockere Gefechtsformation ein.

Einige Meilen westlich von Bad Oldesloe wurde die Formation von Flight Lieutenant Bazelgette überrascht, der einen Scheinangriff von hinten rechts gegen die taktische Nummer 3 (Walkington) flog. Auf eine Entfernung von etwa 1.000 Yards erkannte der Formationsführer Bishop die Gefahr und befahl eine sofortige Kurve um 90° nach Links. Während die drei Flugzeuge die Kurve einleiteten, zogen alle drei nach oben. Nachdem die Maschinen auf dem neuen Kurs flogen, befahl Bishop eine weitere Kurve um 180 ° nach links (jetzt flogen die Maschinen frontal auf den Angreifer zu, der - in Sekundenbruchteilen - nicht mehr hinter einer Maschine hing, sondern stattdessen drei Meteors und 12 Maschinenkanonen vor sich hatte!). Während des zweiten Manövers drehte Mason direkt in das Flugzeug des Formationsführers (d.h., er flog durch den Abgasstrahl von Bishop; Folge: Strömungsabriss, kein Auftrieb mehr!). Mason rollte nach links (d.h., das Flugzeug drehte sich um die eigene Achse) bei hoher Geschwindigkeit und überzog die Maschine. Dabei rollte er weitere eineinhalb Umdrehungen um die eigene Achse in einem steilen Bahnneigungsflug von ca. 45° und schlug gegen 10:10 Uhr 22 Meilen Nordwestlich (von Lübeck) beim Örtchen Sülfeld, sieben Meilen westlich von Bad Oldesloe, auf.

Erster "Spatenstich"

 

Kleinteile liegen schon in geringer Tiefe

 

Großes Anwohner-, Helfer- und Medieninteresse. Geheimhalten kann man solch eine große Grabung nicht.

 

Angehörige der britischen Botschaft sind aus Berlin angereist und nehmen später die gefundenen persönlichen Gegenstände Masons entgegen.

 

Ohne technisches Gerät wäre es nicht zu schaffen gewesen. Das Lohnunternehmen Kristian Dreager hat uns mit Unterstützung der Fa. JCB sehr geholfen!

 

Fundstück aus dem Cockpitbereich

 

Professionelle Dokumentation durch das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein

 

Bordinstrument

 

Weiteres Teil aus dem Cockpitbereich

 

Sauerstoffflasche

 

Mit den steigenden Temperaturen des Tages zeigt das moorige Gebiet wieder sein wahres Gesicht... Zum Glück hatten wir genügend schweres Gerät vor Ort, so dass wir alle Fahrzeuge wieder mitbekommen haben.

Resüme der Bergungsaktion:

Hier haben sehr viele Behörden, Institutionen und Vereinigungen eng zusammen gearbeitet. Insgesamt war man sich einig und alle sprachen von einem Erfolg. Geborgen wurden die sterblichen Überreste des britischen Piloten, Fl. Lt. J. Mason, samt seiner Brieftasche und Armbanduhr. Durch die Bergung steht der Renaturierung des bereits ca. 50 ha großen Areals nichts mehr im Wege. Kampfmittelbelastung kann ausgeschlossen werden. Somit ist das Ziel erreicht.

Die als "Nebenfund" erhofften Triebwerke und anderen Großteile blieben leider aus. Sie wären im Fundfall an die Luftfahrtausstellung des Deutsche Technikmuseums nach Berlin gegangen. Vermutlich haben bereits in den 50er Jahren Schrotthändler mit dem Ausgraben des begehrten Aluminiums begonnen.

Einige gereinigte Fundstücke:

Treibstoffanzeige

 

CONTROL UNIT (aber wofür?); Stammt offensichtlich direkt aus dem Instrumentenbrett

 

Kleiner Klappdeckel

 

Geschmolzenes Plexiglas, ein Stück Panzerglas und ein Steuerungsgriff vom Fallschirm

 

"Brakes"-Anzeige, Druckdose aus dem Höhenmesser, sowie ein Stück Typenschild

 

Fragen, Hinweise, Kritik bitte per E-Mail HIER an den Autor

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Rekonstruktion der abgestürzten Gloster Meteor (Danke an Chis König!):