Absturz eines britischen Lancaster-Bombers bei Neumünster / von Olaf Weddern

Immer wieder hörte ich von dem Bomber-Absturz in der Nähe des Dorfes Kleinkummerfeld. Damals sollen durch die Explosion beim Aufprall die Dachziegel der Dorfschule herabgefallen sein. Die „Alten“ im Dorf wussten noch von Hunden, die kurz nach dem Absturz menschliche Gliedmaßen gefunden haben sollen. Die genaue Stelle konnte mir aber keiner zeigen. „Das war ja damals alles noch moorig, da ist nichts übriggeblieben, außerdem haben da auch nach dem Krieg die Engländer alles weggeholt...“

Schauergeschichten konnten sie erzählen, aber wenn es um Details ging, hatte keiner mehr etwas zu berichten. Allerdings war da ja noch der Hinweis mit den Engländern, die nach dem Krieg an der Absturzstelle gewesen sein sollen. Außerdem hatte ich ja mittlererweile genaueste Hinweise erhalten:“Irgendwo dor inne Wiesen!“

Da stand ich nun vor einer Fläche, die denen ähnelte, die in der ehemaligen DDR von 8 Mähdreschern erst nach zwei Wochen abgedroschen waren...


Doch manchmal spielt auch das Glück mit, schon am ersten Tag, den ich in den Wiesen verbrachte interessierte sich ein Bauer für mich. Nach einem kurzen Gespräch glaubte er, mir helfen zu können, denn da sei eine große flache Mulde in einer Wiese, außerdem habe er dort beim Pflügen schon kleine Blechteile freigelegt. Ich war also am Ziel, und das schneller als gedacht.

Absturzstelle heute

Weitere Nachforschungen ergaben dann folgende Geschichte: Am 17. Januar 1943 in den späten Abendstunden überquerten zahlreiche britische Bomber Schleswig-Holstein. Ziel war ein Nachtangriff auf Berlin. Die Flak in Bordesholm traf den Bomber vom Typ Lancaster I („Merlin 20“ Motoren), No 12 Sqn. Die Besatzung bestand aus 7 Personen, namentlich FANSHER, POOLE, BUTLER, CADDEN, FALLIS, SMITH und MARSH.

Der Flak-Treffer verursachte einen Brand an Bord, der jedoch durch die Besatzung gelöscht werden konnte. Auf dem Flugplatz Neumünster starteten zuvor die Nachtjäger, um den möglichen feindlichen Bomberangriff abzuwehren. Die angeschlagene Lancaster überquerte Neumünster und wurde zum Ziel eines der Nachtjäger. Sofort entfachte wieder Feuer an der Maschine. Mit niedriger Höhe überquerte der Bomber Neumünster-Gadeland und stürzte mit voller Bombenlast in die Wiesen nahe Kleinkummerfeld. Der Anblick eines riesigen Kraters bot sich den herbeieilenden Dorfbewohnern. Zwei Mann der Crew schafften es, vor dem Aufschlag abzuspringen. Allerdings reichte die Höhe nicht mehr zum Öffnen der Fallschirme, so dass ihre sterblichen Überreste nur wenige hundert Meter entfernt gefunden wurden. Es handelte sich um Sgt POOLE und Sgt SMITH, deren Körper vor Ort durch deutsche Soldaten beigesetzt wurden. Von den anderen Besatzungsmitgliedern ist durch die Explosion nichts übrig geblieben. Ihre Leiber wurden zerfetzt, Teile wurden noch in über 1000 Metern Entfernung gefunden. Die Druckwelle der Bomben und die umherfliegenden Flugzeugteile ließen in einem Umkreis von über 500 Metern die Fenster zerbersten und Ziegel von den Dächern rutschen.

Am nächsten Tag, der Trichter war voll Wasser gelaufen, die Absturzstelle von Soldaten abgesperrt, fuhren zwei Militär-PKW aus Neumünster nach Kleinkummerfeld. Der Pilot des Nachtjägers wollte sich seinen „Erfolg“ und die Reste des Bombers ansehen. Schon Tage später war die Wiese abgeräumt und das Loch verschlossen worden. Auf einem mir vorliegenden Luftbild aus dem Jahr 1945 ist förmlich „Gras über die Sache gewachsen“, die Natur hat alle Spuren verwischt.

Nach dem Krieg haben spezielle britische Kommandos damit begonnen, die sterblichen Überreste Ihrer vermissten Piloten zu suchen und umzubetten. Die Gräber von POOLE und SMITH wurden durch Hinweise aus der Bevölkerung gefunden und Ihre Umbettung zum Kriegsgräberfriedhof nach Kiel wurde durchgeführt.

Der heutige Besitzer der benachbarten Koppel gab mir ein beim Pflügen gefundenes Motorventil . Die Verformung lässt die Wucht der Explosion erahnen.

Motorventil im Fundzutand

Das Ventil nach der Restaurierung