Absturz einer B-17 „Flying Fortress“ am 25. Juli 1943 bei

Meldorf / von Thomas Hampel

An diesem Sonntag flog die 8. USAAF einen Tagesangriff auf Warnemünde und Hamburg. Die für Warnemünde bestimmten Flugzeuge kamen indes nicht an ihr Ziel und griffen dafür ihr Ausweichziel Kiel an. Die B-17 der 91st Bombardment Group flogen westlich Hamburg ein und sollten dann in nördlicher bzw. nordwestlicher Richtung abfliegen. Bereits über Hamburg kam es durch Flakfeuer zu ersten Verlusten und man hatte Probleme, die bewährten Combat Boxes in der Formation zu halten. Ergänzend sei noch erwähnt, das zu dieser Zeit der Einflug der Amerikaner noch ohne eigenen Jagdschutz erfolgte.

Ritzy Blitz (DF-B) am Helmsander Damm kurz nach dem Absturz. Auf der Tragfläche ein Meldorfer in Badehose. Rechts die Heckflosse mit dem weißen Dreieck und dem „A“ der 91st Bombardment Group.

Kurz vor 17:00 Uhr kamen noch einige Messerschmitt Bf 109 des JG 11 an die Pulks heran, wobei mehrere Bomber abgeschossen wurden. An diesem Tag gingen 9 US-Flugzeuge über schleswig-holsteinischem Gebiet verloren. Eines von ihnen war „RITZY BLITZ „ und gehörte zur 91st BG. Die Maschine hatte schon 48 Einsätze hinter sich und wurde von 2/Lt. Marshall Pilert geflogen. RITZY BLITZ hatte bereits eine Beschädigung am Seitenruder, als das Flugzeug im Raum Heide von einer Bf 109 in niedriger Höhe abgeschossen wurde. Die Besatzung konnte den Bomber mit ihren Fallschirmen verlassen und kam weit verstreut im Meldorfer Raum herunter. Der Ball Turret Gunner Sgt. Haynes hatte zwar einen Fallschirm, jedoch kein Gurtzeug. Er öffnete seinen Schirm noch im Flugzeug und sprang in die Tiefe. Der Schirm löste sich und Haynes schlug ungebremst auf, wobei er ums Leben kam. Lt. Pilert kam auf einer Wiese bei Meldorf herunter und wurde von einigen Bauern und einem Soldaten gefangengenommen. Bei der ersten Durchsuchung durch den deutschen Soldaten sagte Pilert „ Ich habe keine Waffen“. Zwei ältere Damen wunderten sich, das er deutsch sprach und sie bestaunten ihn wie einen Außerirdischen. Er hörte noch ein „ ... und so jung auch“ und wurde zur Polizeistation nach Meldorf gebracht. Hier hatte meine schon einige seiner Kameraden eingesammelt. Zwei Stunden später ging es mit dem Bus nach Neumünster und am nächsten Tag ins Durchgangslager DULAG LUFT nach Oberursel. Dort wurden alle abgeschossenen alliierten Piloten einem ersten Verhör unterzogen.

Wattwanderer untersuchen die abgestürzte Flying Fortress.

Noch kurz zurück zum eigentlichen Absturz bei Meldorf. Während nämlich die Amerikaner an ihren Fallschirmen zur Erde schwebten, flog RITZY BLITZ in niedriger Höhe noch ein gutes Stück weiter und überraschte einige verdutzte Wattwanderer, die zwar das Schießen der Flak und der Flugzeuge gehört hatten, sich deshalb aber nicht von ihrem Sonntagsspaziergang abhalten ließen. Eine Augenzeugin aus Meldorf, die auch die Fotos zur Verfügung stellte, sah das Flugzeug fast wie zur Landung heranschweben. Es schlug nur 200 m Meter von der kleinen Gruppe entfernt auf. Die begeisterten Jugendlichen begannen sofort, alle Gefahren vergessend, die Fortress zu untersuchen. Einer der Motoren lief noch eine ganze Weile, was anscheinend niemanden bei der Begutachtung des Riesenvogels störte. Erst ein hinzugeeilter Zollbeamter machte dem jugendlichen Leichtsinn ein Ende. Man wurde des Ortes verwiesen und die Absturzstelle wurde abgesperrt. RITZY BLITZ wurde wenige Tage später von einem Bergekommando der Luftwaffe auf den Flugplatz Schleswig gebracht und bald darauf verschrottet.

Neun der zehn Besatzungsmitglieder überlebten den Absturz und kamen ins STALAG LUFT III in Sagan (Oberschlesien), wo ein weiteres Besatzungsmitglied (Sgt Carrier) später verstarb. Marshall Pilert besuchte vor einigen Jahren Meldorf, um sich das Geschehene nochmals zu vergegenwärtigen.