Oberleutnant Burghards letzter Flug am 2. Mai 1945

/ von Thomas Hampel

In den frühen Morgenstunden des 2. Mai 1945 starteten zwei Me 109 der 1./Staffel der Nahaufklärungsgruppe 3 in Rerik zu einer Gefechtsaufklärung, die man zu dieser Zeit im Fliegerjargon lapidar als „Haustüraufklärung“ bezeichnete. Oblt. Heinz Burghard und sein Rottenflieger Uffz Krinner landen nach dem Einsatz auf dem Flugplatz Schwerin, um dort die Aufklärungsergebnisse des Fluges zu melden und die beiden Flugzeuge wieder auftanken zu lassen. Hier interessierte sich niemand mehr für die beiden Piloten und deren Meldung, da auf dem Platz schon alles für eine Übergabe an die Engländer vorbereitet war. Unter Gewaltandrohung bringen die Flieger endlich einen Tankwart dazu, die beiden Bf 109 wieder aufzutanken. Geplant ist der gefährliche Flug nach Lütjenholm in Schleswig- Holstein, wo sich die Reste der 1./NAG 3 befinden.

Oblt. Heinz Burghard (rechts) mit einem Fliegerkameraden

Schon kurz nach dem Start verliert Oblt. Burghard seinen Rottenflieger Uffz Krinner aus den Augen, da bereits Spifires über Schwerin kurven und die beiden startenden Flugzeug beschießen. Burghard fliegt im Tiefflug südlich um Lübeck herum und versucht ständig eine Verbindung mit der zweiten Maschine herzustellen- doch ohne jeden Erfolg. Er vermutet zu diesem Zeitpunkt, das Krinner schon beim Start abgeschossen wurde, denn in Lütjenholm kam der Unteroffizier jedenfalls nie an (*sie dazu Fußnote am Ende des Beitrags). Im Ratzeburger Raum trifft er auf sechs Spitfires der 411 Sqn, die um 10.30 in Wunstorf zu einem Flug in den Lübecker Raum gestartet waren. Flying Officer Denny Wilson gelingt es, sich hinter die Me 109 zu setzten und eine längere Verfolgungsjagd beginnt. Heinz Burghard versucht in eine Wolkenbank zu entkommen, doch der Kanadier bleibt unvermindert hinter ihm und gibt mehrere Salven auf ihn ab.

No. 411 Squadron, die mit der Spitfire MK IX ausgestattet war. Auf dem Spinner der Spitfire Squadron Leader John Newell. (vierter rechts oben F/O Wilson)

Das Katz- und Mausspiel dauert etwa zehn Minuten. Oblt. Burghard erhielt einige Treffer- die Motortemperatur stieg an, was einen Motorbrand zur Folge hatte. Eine negative Erfahrung mit einer versuchten Notlandung in früheren Tagen veranlaßten ihn, die Messerschmitt lieber auf dem „Luftwege“ zu verlassen. Der kanadische Spitfirepilot konnte beobachten, wie sich die Kabinenhaube der 109 löste und der deutsche Pilot in die Tiefe sprang. Am Schirm wurde Burghard von einer Spitfire bedrängt, die ihn offenbar zu rammen versuchte. Um die Fallgeschwindigkeit zu erhöhen, reffte er seinen Schirm und kam ziemlich hart bei der Ortschaft Eckhorst herunter. Seine Messerschmitt stürzte nicht weit von ihm in einen Acker. Sie wurde nach dem Krieg vollständig geborgen.

Eine Eintragung im Flugbuch von F/O Denny Wilson dokumentiert den Me 109 Abschuß. Es war Oblt. Burghards 72er und letzter Feindflug.

Heinz Burghard zog sich bei der Landung eine Gehirnerschütterung und eine Verletzung des Lendenwirbels zu. Der linke Fuß war gebrochen und zusätzlich hatte er sich eine Hand verstaucht. Einige Soldaten einer Marineinfantrieeinheit bargen ihn und brachten ihn zunächst in ein Haus in Eckhorst. Von dort ging es ins Lazarett nach Rickling und wenig später nach Neumünster. Erst in Rendsburg konnten seine Verletzungen untersucht werden, da man hier noch ein funktionierendes Röntgengerät hatte. Mit einem Sanka ging es dann später nach Lütjenholm. Hier erfuhr er, das sein Rottenflieger Uffz Krinner vermißt war. Nach dem Krieg hörte er, das Uffz Krinner gefallen sei. Doch genauere Details waren nicht in Erfahrung zu bringen.

*Anmerkung: Am 2.5.45 gegen 09:00 Uhr schießt eine Spitfire der No. 130 Sqn eine landende Bf 109 nahe des Flugplatzes Schwerin ab. Das Flugzeug stürzte südlich des Platzes in einen Wald. Vielleicht handelt es sich um Uffz Krinner von der 1./NAG 3 ? Sollte jemand weitere Angaben zum Tode von Uffz Krinner machen können (Todesort, Grablage ?), dann wäre ich für eine Mitteilung dankbar.

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