Absturz einer Hampden auf das Tanzlokal Tivoli in

Neumünster am 29. April 1942 / von Marcus Kroll

Als in der Nacht zum 29.04.1942 in Neumünster die Sirenen Luftalarm gaben, ahnte keiner der Menschen die in die Keller flüchteten, dass sich in wenigen Stunden beim beliebten Tanzlokal Tivoli ein Drama abspielen würde. Die Sirenen heulten gegen 2 Uhr in der Nacht. Nur wenige Minuten später hörte man das Hämmern von Maschinengewehren und der Motorenlärm von Flugzeugen. Was war geschehen ? Über Neumünster wurde ein Verband Britischer Bomber auf dem Weg nach Kiel von deutschen Nachtjägern gestellt. Es kam zu einem heftigen nächtlichen Luftkampf, in dessen Verlauf eine Handley Page Hampden MK 1 der 408. Squadron der Royal Air Force schwer angeschossen wurde. Die Maschine mit der Werknummer AE 426 zog brennend über die Dächer der Häuser Warmsdorfstraße 1 und Ehndorferstraße 6. Nur wenige Sekunden später erfolgte der Aufprall, begleitet von einer schweren Explosion. Die Hauptteile des Bombers wie der Rumpf, die Tragflügel mit den Motoren und das Doppelleitwerk lagen auf dem Weg  vor der Tischlerei Ed. Müller der zur Gärtnerei Niebling führte. Durch den ausgelaufenen Treibstoff war die an den Tivoli grenzende Tischlerei Ed. Müller in Brand geraten. Nur wenige Minuten nach dem Absturz war die Feuerschutzpolizei Neumünster vor Ort und begann, das sich rasch ausbreitende Feuer zu bekämpfen. Auf dem Schleusberg und dem Hansaring arbeiteten die Motorpumpen auf Hochtouren. Während der Löscharbeiten wurde der Luftraum aus Angst vor erneut anfliegenden Bombern genau beobachtet. Denn ein so großes Feuer gab einen hervorragenden Zielpunkt ab. Gegen 03.30 Uhr wurde dann endlich Entwarnung gegeben. Der Brand konnte aber erst um 06.00 Uhr gelöscht werden. Erst danach konnte man sich um die Opfer kümmern. Für die Besatzung der Hampden kam aber jede Hilfe zu spät. Sie war schon beim Aufprall ihrer Maschine getötet worden. Die Besatzung bestand aus F/S  Romas, Sgt. Gordon, Sgt. Hindle und Sgt. Alderidge. Den Piloten fand man noch in der Kanzel eingeklemmt, sitzend in der Gärtnerei Schuppke. Der zweite Tote lag zerfetzt in einem Buschwerk im Garten von Max Müller, Schützenstraße 12. Die restliche Besatzung fand man bei den Aufräumarbeiten im Verlauf des Tages. Sie lag verbrannt in einem Rumpfteil, das dem Feuer standhielt. Ein bleicher, vom Feuer verschonter Fuß der aus dem Trümmerteil ragte, war der stumme Zeuge vom Tod dieser Männer in ihrer Maschine. Im Zuge der Aufräumarbeiten fand man auf den Dächern der Häuser Warmsdorferstraße 1 und Ehndorferstraße 6 Trümmerteile der Hampden. Ein Zeichen dafür, dass die Maschine schon in der Luft auseinander brach. Gegen 14.10 Uhr des 29.04.42 wurde der Polizeiwache der Fund der Bombenladung des Engländers gemeldet. Leutnant d. Sch. ( der Schutzpolizei ) Lütjes , Hauptwachtmeister d. Sch. Fritsch und der Fahrer Rohjan machten sich auf den Weg zum Fundort in der Schützenstraße 14. Sie fanden ca. 30 Stabbrandbomben in einer Holzkiste. Diese lag noch in einem Teil des Bombenschachtes. Dieser war beim Aufprall weg geschleudert worden und schlug in der Garage des Hauses Schützenstraße 14 ein und zerstörte das darin abgestellte Auto fast ganz. Am 30. April fand die Beisetzung der Gefallenen Engländer auf dem Örtlichen Friedhof von Neumünster statt. Mit den vier Engländern aus Neumünster wurden an diesem Tag noch fünf weitere englische Flieger beigesetzt. Sie gehörten zu einer Vickers Wellington der 460. Squadron die in der selben Nacht über Bokhorst bei Neumünster abgeschossen wurde. Es waren: F/S Shephard, Sgt Carpenter, P/O Bond, Sgt McIiveen, Sgt Perroux und Sgt Cosgrove. Die Wellington trug die Kennung UV- T und die Werknummer Z1290. Zur Beisetzung der Toten wurden wegen Personalmangels beim Friedhofspersonal vom Standortoffizier, Rittmeister Freiherr von Schröck, sechs Soldaten der San. Ers. Abt. 10 abgestellt. Nach Beendigung der Aufräumarbeiten stellte man folgende Schäden fest:

a.       Vollschaden am Gebäude der Firma Ed. Müller

b.      Gewerblicher Schaden auf dem Grundstück der Firma Ed. Müller

c.       Teilschaden an der Garage Firma Ed. Müller

d.      Teilschaden am Gebäude der Gastwirtschaft Tivoli

e.       Landwirtschaftlicher Schaden in der Gärtnerei Schuppke

f.        Gewerblicher Schaden in der Garage der Firma Müller, wodurch ein dem Handelsvertreter Biermann gehörender PKW total zerstört wurde

g.       Dachschäden an den Häusern Warmsdorfstraße 1 und Ehndorferstraße 6

h.       Hausrat-Schäden in den Wohnungen der Familien Holm, Storm und Frimoth

Reste der Handley-Page-Hampden mit der nur teilweise bekannten Kennung „EQ- ??“

Ein Teil des Mobiliars dieser Familien konnte gerettet werden. Die Wohnungen hingegen waren durch die Beschädigungen nicht mehr bewohnbar. Der Gesamtschaden, der durch den Absturz und den daraus entstandenen Brand, belief sich auf ca. 50.- 60. 000 Reichsmark. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Toten Engländer auf den Friedhof in Hamburg- Ohlsdorf umgebettet. Von der Kennung der Hampden ist nur EQ-  bekannt. Wer weiß mehr zu diesem Absturz? Mail !

Foto: Stadtarchiv Neumünster ( Holsteinischer Courier 1955 )

Dokumentenquelle Stadtarchiv Neumünster ( Herr Tidow )